Past Exhibitions
Cadavre Exquis I

Vernissage____________ Donnerstag 15. Juli 2010 ab 20 Uhr
Jérémie Martino________ ab 16. Juli bis 22. Juli 2010
Marco Reichert:________ ab 23. Juli bis 28. Juli 2010
Nicholas Kashian_______ am 29. Juli 2010 ab 19 Uhr
Das Leben hält uns auf seine Weise dazu an, dieses Spiel heute täglich fortzusetzen.
„Cadavre Exquis“ ist der Name eines Kinderspiels. Ein Spiel, an dem jeder von uns schon teilgenommen hat. Das Leben hält uns auf seine Weise dazu an, dieses Spiel täglich fortzusetzen. Alle Mitspielenden malen auf einen Bogen Papier den ersten Teil eines Bildes. Anschließend werden die Bögen so gefaltet, dass nur noch der letzte Teil als Übergang zu sehen ist. Nun wird der Zettel an den Nachbarn weitergegeben, der oder die malt einen weiteren Teil dazu, knickt das Papier um und gibt es weiter – jeder malt etwas dazu bis das Bild fertig ist. Das fertige Bild ist ein facettenreiches Ensemble verschiedenster Beiträge, das dennoch Sinn stiftet.
Die Ausstellung „Cadavre Exquis“ ist eine Geschichte in drei Kapiteln, ein Triptychon in dem sich drei Persönlichkeiten zeigen. Jérémie Martino und Marco Reichert haben jeweils eine Woche, um ihre Werke auszustellen. Nicholas Kashian wird diese zwei Wochen abschließen und entwickelt gemeinsam mit anderen Künstlern eine Ausstellung, ein Happening für nur einen Abend.
Wie das Kinderspiel ist dieses Ausstellungsprojekt als eine Etüde, ein Mosaik, konzipiert, dass sich aus den Beiträgen der Mitspieler Martino, Reichert und Kashian zusammenfügt. Die drei ausgestellten Künstler nutzen alle das Medium der Malerei, in jeder Ausstellung taucht man in das Herz des künstlerischen Universums des jeweiligen Künstlers ein, der uns seine Sicht auf die Welt, in der wir leben präsentiert.
Jérémie Martino beschreibt eine Welt im freien Fall. Körper fallen, stürzen kopfüber, verlieren sich und setzen dennoch eine große Harmonie frei; mitgerissen von einem wilden Tanz, der vom Rausch des Lebens erfüllt ist.
Marco Reichert untersucht in seiner Arbeit welchen Sinn und Status Bilder in unserer Gesellschaft einnehmen.
Er greift aus der Populärkultur hervorgegangene Persönlichkeiten auf, indem er sie gänzlich aus ihrem üblichen Kontext löst. Dabei verleiht er ihnen einen befremdlichen, zwischen Lächerlichkeit und Angst schwankenden Charakter. Betrachtet man die Werke von Nicholas Kashian, findet man in seinen Collagen das Bild vom Zerfall der modernen Welt.Die drei Künstler laden uns, jeder in seiner eigenen Manier und mit ganz unterschiedlichen Bildkosmen, dazu ein, unseren Blick auf die Welt zu schärfen. Die Gemeinsamkeit der drei Künstler und ihrer Arbeit ist die Schöpfung ihrer eigenen Welt durch die Dekonstruktion der unseren. In ihren Vorschlägen verwandeln sie einen zerklüfteten Grund in reiches Land. Alchemie nach Art des Schöpfers.
Kraft und Präsenz der Körper meisterlich behandelt und in ihrer ursprünglichen Energie festgehalten bei Jérémie Martino. Endloses Infragestellen des Bildes und seiner Wirkung auf uns bei Marco Reichert. Ansammlungen, Abweichungen, Verwebungen und Collagen in denen die Realität unserer Welt durch die „Scheinheiligen“ Nicholas Kashians auftritt. Die Ausstellung lädt uns alle dazu ein, selbst in diesem großen Spiel aktiv zu werden.
Die Begeisterung für das Spiel entspringt nicht nur den zwischen den Werken schwingenden Korrespondenzen, sondern aus den unmittelbaren Parallelen zu unserem Leben.
U(DYS)TOPIA
- Das Auftauchen von Mythen, Märchen und Legenden in der Gegenwart -
in Indonesien und Deutschland

U(Dys)topia ist ein Gemeinschaftsprojekt junger Künstler aus Indonesien und Deutschland. Ausgehend von verwandten Motiven in den Märchen, Mythen und Utopien ihrer jeweiligen Heimat sind in Co-Produktionen gemeinsame Werke entstanden. Schon im Vorfeld bildeten sie binationale Künstlerpaare und entwickelten ihre Konzepte und Ideen, die sie in den vergangenen Wochen in Dresden realisierten.
Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Mythos von Utopia, in dem die Welt als idealer, humanistisch geprägter Ort erscheint und ihrem Gegenentwurf der Dystopie, einer Welt, die auf totalitären Strukturen basiert und in der das Individuum sich repressiver sozialer und politischer Kontrolle ausgesetzt sieht, entwickeln die Künstler ganz eigene neue Berührungspunkte und Positionen, die so konträre Kulturen wie die Deutsche und die Indonesische in diesem einzigartigen Projekt zu einer Art neuer Hybridkultur verschmelzen lassen.
Folgende Künstlerpaare sind an der Ausstellung beteiligt:
Andrey Klassen (D) und Sigit Bapak (ID); Ulrike Stolte (D) und Rifqi Sukma (ID); Yasmin Alt (D) und Lashita Situmorang (ID); Paul Pretzer (D) und Deni Rahman (ID); Fee Vogler (D) und Indra Dodi (ID); Franziska Fennert (D) und Lenny Ratnasari (ID); Constanze Deutsch (D) und Edo Pillu (ID)
Für weitere Informationen zur Ausstellung besuchen Sie auch: www.udystopia.com
Ausstellungsdauer: 13. Juni bis 22. Juni 2010
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RAUSCHEN

Das Rauschen als der Zwischenzustand von Geräusch und Ruhe ist permanent vorhanden. Aus ihm treten klangliche Ereignisse hervor und verschwinden wieder. Das Rauschen ist für die fünf Wiener Künstler Eva Chytilek, Jakob Neulinger, Samuel Schaab, Christian Konrad Schröder und Markus Taxacher eine Störgröße und Grundmaterie, die in jede Richtung Form annehmen kann. In ihrer gemeinsam konzipierten Ausstellung untersuchen sie fünf Modulationen dieses Elements.
Alle Arbeiten haben ihren Ausgangspunkt im physischen Material, Werkstoffen und Objekten. Die Objekte sind Metaphern einer komprimierten Zeit, die als Referenzsumme alle in ihr eingeschriebenen Prozesse beschreibt und die über die Zeitspanne der Objektexistenz zusammengetragenen Geräusche zu einem undurchdringbaren Rauschen vermengt. Aus dieser diffusen Tonfläche werden einzelne Klangereignisse destilliert. Diese Derivate, die durch die Trennung des Schalls von der Schallquelle entstehen, werden zu formbaren und kombinierbaren Materialien.
Ausgehend von diesem Versuchsaufbau nähern sich alle für dieses Projekt konzipierten Arbeiten dem jeweils anderen Ton, der Stille und der Form. Mittels Klanginstallationen, Skulpturen und Objekten werden die Möglichkeiten von Klang abgetastet, dessen Abwesenheit definiert und mögliche Kopplungen an ein tatsächliches oder fiktives Trägermateri al untersucht.
Integraler Teil der Ausstellung ist die Entwicklung einer Audio-Performance, für die gemeinsam vor Ort eine circa einstündige raumspezifische Komposition erarbeitet wird. Mittels Mehrkanal Soundsystem werden die Töne dynamisch verteilt. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Klängen gehen über den akustischen Bereich hinaus und aus ihren intermodalen Qualitäten entstehen neue Zusammenhänge. Das Rauschen löst sich in einen flächigen Sound auf und wandelt sich nach und nach zu einer minimalen Rhythmusstruktur.
KünstlerInnen: Eva Chytilek, Jakob Neulinger, Samuel Schaab,
Christian Konrad Schröder, Markus Taxacher
Ausstellung: 06. Juni bis 17. Juni 2010
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UMSETZEN.KLASSE LUCANDER

Die Klasse Lucander präsentiert im Freien Museum Berlin eine Ausstellung mit dem Titel „umsetzen“. Der Begriff umsetzen hat unterschiedliche Bedeutungen: Zum einen meint er die Ausführung einer Idee, das Erdachte wird in die Realität umgesetzt und somit greifbar; Zum Anderen meint er die Änderung eines Standorts. Beide Begriffe, der der Realisation und der des Ortswechsels sind elementare Bes
tandteile der künstlerischen Arbeit. Im kreativen Prozess werden Ideen umgesetzt und in die Wirklichkeit überführt. Im Schaffensprozess muss dabei immer wieder das bisher Geschaffene und Gedachte hinterfragt werden- der Künstler muss innehalten, sich setzen, oder auch einen Blickwinkel ändern, um das Bisherige aus einer anderen Perspektive neu zu betrachten. Wechselt ein Werk den Standort, zeigt es sich manchmal von einer ganz neuen Seite. Das Zusammenspiel von Perspektivwechsel und Realisation bestimmen also den Prozess des künstlerischen Schaffens, den Dialog, den der Künstler mit seinem Werk führt. Aber auch den, der zwischen Betrachter und Werk stattfindet. Die Klasse Lucander wird in dieser Ausstellung Sitzgelegenheiten gestalten, um dieses Handlungsfeld zu thematisieren. Die Sitzgelegenheiten sind ein Angebot an den Besucher, dieser kann sich nun hinsetzen um ein Kunstwerk zu betrachten, darüber nachzudenken und um neue Perspektiven zu gewinnen.
Viele zeitgenössische Künstler haben Stühle in ihrem Werk thematisiert: Franz West mit seinen Sitzgelegenheiten, die zur Partizipation aufrufen, zum Setzen; Martin Kippenberger, der in seiner Installation “The Happy End of Franz Kafka’s Amerika“ das Gegenübersetzen, das endlose Bewerbungsgespräch inszeniert; Oder Ai WeiWei, der 1001 antiquierte, chinesische Stühle als Kulturgut importieren lässt. Alle diese Ansätze haben eines gemeinsam: eine Handlung der Kommunikation. Jeder der teilnehmenden Künstler in dieser Ausstellung beschäftigt sich mit einer Anderen Fragestellung, den Prozess des Auseinandersetzens mit dem Werk teilen jedoch Alle. Er findet im Einzelnen statt, aber auch im Miteinander. Die Klasse Lucander möchte mit dieser Ausstellung zum Austausch über Kunst beitragen und herzlich dazu einladen, sich auseinanderzusetzen und auch umzusetzen.
KünstlerInnen: Solweig de Barry, Clara Brörmann, Laure Breaud, Antonia Dietl, Thea Drechsel, Gonzales Goncalo, Monika Gröschner, Barbara Gruhl, Marc von der Hocht, Hodori, Corinna Holbein, Emilia Jagica, Anne Jungjohann, Will Kempes, Erika Knodel, Dea Cheon Lee, Jeewon Lee, Robert Lucander, Andrea Martens, Charlotte Massalsky, Maria Jose Munoz, Mitch Speed, Maximilian Rödel, Katrin Stender, Marlon Wobst
Ausstellung: 22. Mai bis 06. Juni 2010
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MEMO_RAISING

Für eine Woche wird vom 21. bis 29. Mai ein Prozess des aktiven öffentlichen Erinnerns - MEMO_RAISING - eingeleitet. Dieser beginnt mit der Frage nach der Relevanz des Holocaust in den Arbeiten von KünstlerInnen der dritten Generation.
Für eine Auseinandersetzung und einen aktiven Erfahrungs- austausch über Mechanismen der Erinnerung, Identitätsstrukturen und persönlichen Positionierungen zwischen Ausgrenzung und Toleranz, bilden die Werke von acht jungen KünstlerInnen, mit multinationalem Ursprung, eine gemeinsame Basis zwischen eigener Person, Werk und Betrachter.
Ausgehend von alltäglichen Begrifflichkeiten und deren assoziativen Zusammenhängen fragt MEMO_RAISING nach der komplexen und vielschichtigen Rolle jedes Einzelnen innerhalb der Gesellschaft.
Menschen aus unterschiedlichsten Lebensräumen sollen in dem Ziel vereint werden, sich mit der inter-generationellen und inter- regionalen Kommunikation von Geschichte zu befassen und die Funktion und Form der Erinnerung im Wandel der Zeit zu beobachten: Zwischen Rekonstruktion und Fiktion.
MEMO_RAISING entstand auf Initiative von Stipendiaten der Stiftung EVZ - „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, die das Projekt gemeinsam mit den teilnehmenden KünstlerInnen in einer Reihe von Workshops entwickelt haben. Ein Projekt, das zu einem Diskurs einladen möchte, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Museumsräumlichkeiten.
KünstlerInnen: Michael Dabrowski (PL), Trudy Dahan (IL), Gregory Desarzens (FR), Den Gonto (LT), Maryna Markova (UA), Margot Point (FR), Annton Beate Schmidt (DE), Florian Paul Siegert (DE)
Ausstellung: 22. Mai bis 29. Mai 2010
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Three voices in my head
Artists: Gregg LeFevre, Yvette Mattern, Ulrich Volz
Curated by Shaheen Merali

Voices, noises, causes, poses, losses - all seem to be a set of propelling narrative paradigms, potential characteristics which may allow access to the work that has emerged within the contemporary. Artists’ voices, more than ever before in the history of art, are redolent of a desire to scrutinise that assists in re-arranging the facts of the dense, dark and turbulent histories and archives of the contemporaneous condition; as Gayatri Spivak has argued, “access depends on where we stop”.
In managing and starting artistic conversations that end or begin in engaging us with examining their result and effecting our minds to think further and deeper of its meaning, artistic works can start to create an interstitial space between ourselves and our obsession with finding a context.
Culture and cultural production concerns itself with the notion of temporalities, including space, time and site. The relations of this world in its time acts as co-ordinates to these facts which often provide invaluable vectors for artistic journeys, evaluating context, married as this often is in artistic discourse, to material reality. The three voices in my head are an inspiration for the first of a series of exhibitions by the curator, Shaheen Merali, who looks at such diverse individual voices and their notations of the world in such contrary ways.
In the work produced by all three artists, the one concern that remains stable is their differing relationship to the notion of a globality and its uncontrollable wanton of consumption. This is mediated in incredibly differing ways by each individual; in the case of Volz, it remains an important concern yet one that is located in the way aspects of the human body remain dislocated within the maze of the energies that surround their daily realities, whilst in the work of LeFevre it is in its main ‘target’ of attack as an act of destruction that consumption becomes dislocated. A second factor that binds the three disparate positions together is their writing and speaking from out of the urban sprawl and, through it, recognising their cultural guardianship, of an urbanity, developed under the aegis of a modernity spellbound by an unrealistic emphasis on progress. All three artists, but most particularly Mattern, work to make this sphere of misunderstanding about the positives of modernity’s myth. She creates a subtext in the way her assembly of lasers and fluorescent lights create a quiet beauty that dissects the urban, exposing its vulnerability, which now has come to haunt us as the fear and the terror of living a lie.
We find ourselves at an awkward threshold within these works, wherein we are left with evaluating battered values and our own impotency to fight the moral high ground, which seemed the imperative of our hard work and a given in the west. In this frozen godown of the new millennium, alongside these voices, we look within the imaginary for answers in recognising a future for these disturbing encounters in times that remain at their best uncertain and tainted.
Shaheen Merali is both a curator and writer, currently based in London and Berlin.
Exhibition: 18th of April to 14th of May 2010
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SATELLITES
Satellites In The Night, To The Thawing Wind, Room Without A View

The three floors of Freies Museum Berlin neatly align for Satellites, three separately curated exhibitions that investigate different art world spheres and the poetics of “orbital,” outer, and inner space – from confined buildings, to the environment and vast nature, and beyond the atmospheric limits reaching into the alien cosmos.
Working independent of one another at the outset of this collaboration, Hannes Bend, Trong G. Nguyen, and Emilie Trice have put together distinctive shows from varying curatorial perspectives that are appropriately left to harmonize in unsuspecting ways over the three levels. The triumvirate of exhibitions, with their own subtitles, represent the first collaboration between the Berlin-based Bend and Trice, and New Yorker Nguyen.
Looking at nature and open space from an ecological point of view, Emilie Trice’s To The Thawing Wind presents the works of David Buckland, Awst & Walther, and Louisa Conrad & Lucas Farrell. Whether projecting The End of Ice (Buckland) or subjecting oneself to the frozen recesses of Iceland and the Arctic, these artists reveal our threatened environments while romanticizing the transitory states of nature. Not surprisingly, Trice’s five have also worked in the orbs of architecture, theater direction, dance, set design, anthropology, poetry, and environmental activism.
Hannes Bend’s curatorial contribution, Satellites in the Night, is an exploration of the “night-life” of modern technology, where science and romance meet. From black hole paintings by Johanna Tiedtke and warped sculptures of Robert Lazzarini, to the Lego installations of Knud Young Lunde, these works not only illuminate the poetic side of nature and science, but also its playful countenance. The title also hints at the geographic “satellites” of the art world, comprising artists who locate themselves internationally. Other artists include Maxime Ballesteros, John von Bergen, Christine De La Garenne, Trong G. Nguyen, and Jomar Statkun.
Trong G. Nguyen’s Room without a View brings together a group of artists whose works consider the ‘confines’ of space and the emotional and psychological experiences within such domains. Berlin (and by extension Freies Museum Berlin), with its glut of alternative buildings that constantly shift utility, presents an opportune place to investigate the shifting limits inherent in domestic space, landscape, and public architecture. Artists include: Hannes Bend, Joséphine Wister Faure, Chantel Foretich, Christopher K. Ho, Darri Lorenzen, Abby Manock, Christian Nguyen, Zhang Qing, Rebecca Reeve, and Carlos Silva.
Exhibition: 13. März - 9.April 2010
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Die verrückten Meister
(Freies Ritual)

Rituale führen den Menschen auf festgelegten Bahnen durch sein alltägliches, kulturelles und religiöses Leben. Sie strukturieren, geben Denk- und Deutungsmuster vor und sichern auf diese Weise den Status quo. Ein „freies“ Ritual ist daher ein Widerspruch in sich.
Schon immer war Kunst ein Instrument für Beschwörung, Magie und Rituale. Inspiriert von Jean Rouchs Dokumentarfilm "Les Maîtres Fous" über das Ritual einer westafrikanischen Sekte gestalten 16 junge internationale Künstler ein im Entstehen begriffenes, eigenes Ritual. Während im Film die Sektenmitglieder in Trance fallen und in die Rolle von Charakteren der britischen Kolonialmacht schlüpfen, haben sich die Künstler eigene Rollen geschaffen. So treten auf: Das Orakel, der Prophet, ein Gläubiger, der Troubadour, der Ungläubige, ein Bote, die zu opfernde Frucht, das Oberhaupt, ein Geist, der Krieger, die Unschuld, die Erlösung, das Dunkel, der Meister der Zeremonie, das Helle und das Unerklärbare.
Durch Aktion und Handlung wird die Ausstellungssituation verlassen. Im Hochparterre betritt man einen durch Malerei, Licht- und Klang-Installationen inszenierten Initiationsraum. Im nächsten Stockwerk wird das Ritual lebendig. In verschiedenen work-in-progress Arbeiten, die eine Präsenz der Künstler bedingen, wird die Ebene der reinen Präsentation verlassen, so dass schließlich in einer dritten Stufe die Grenze zwischen Beobachter und Mitwirkendem verschwimmt.
Künstler: Emilie Benoist, Simon Bernheim, Thibault Bourgoing, Jonathan Cejudo, Florent Dumortier, Mathilde Fages, Natacha Ivanova, Nicholas Kashian, Francois Lannier, Jeremie Martino, Florence Obrecht, Axel Pahlavi, Marco Reichert, Julien Sirjacq, Kan Yamamoto, Jerôme Zonder
Ausstellung: 29. Januar - 05. März 2010
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OMAS KONFITÜRE

Was genau macht eigentlich die Generation Gegenwart? Konfrontiert mit hysterischen Bilderfluten aus dem Internet und den Verlockungen digitaler Gemütlichkeit entwickelt sie Immunität gegenüber allgemeingültigen Zuschreibungen von Identität und politischen Patentrezepten.
Statt in hektischen Aktivismus zu verfallen, beobachtet sie Veränderungen in ihrem Umfeld und re-interpretier verloren geglaubte Werte und Begriffe, wie das Freie Museum Berlin mit einem erneuten Blick in die Hochschulen zeigt: Nach einer Ausstellung mit Meisterschülern von Candice Breitz präsentieren nun Studierende des Fachbereichs Medienkunst Fotografie der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter der kuratorischen Ägide von Prof. Julia Kissina Fotografien, Videoarbeiten und Konfitüren aus "Omas Marmeladenarchiv" und anderen analogen Wunderkammern.
Der Umgang mit den dort gefundenen Bildern aus dem Familienalbum, Aufzeichnungen aus Reisetagebüchern und Mitschnitten von Friseurbesuchen kommt bisweilen auch ganz ohne Pathos, Ironie und Kritik aus. Mit gesunder Skepsis widmen sich die Künstler einer genauen Prüfung der bereits vorhandenen Archive und entdecken dort das Abenteuer einer zumindest technokratisch vollkommen erscheinenden Welt: Den Alltag und seine künstlerischen Potenziale.
Künstler: Magdalena Abele, Lena Bayer, Christine Beggel, Frederik Busch, Hannah Cooke, Benedikt Dichgans, Philipp Diettrich, Philipp Engelhardt, Jan Erbelding, Felix Grünschloß, Florian Haag, Vladimir Ivaz, Iuri Maia Jost, Ilda Kim, Katrin Agnes Klar, Christoph Lai, Kevin Pawel Matweew, Laura Morcillo, Wataru Murakami, Dorothea Meyer, Constantin Nestor, Kilian Ochs, Grazyna Roguski, Karolina Serafin und Bozena Stasevic
Kuratorin: Prof. Julia Kissina
Ausstellung: 9. Januar - 23. Januar 2010
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AGAINST MY HEART
Goran Tomcic

Mehr ist meist weniger: Millionen goldener Paillettenherzen bedecken schimmernd und glitzernd den Boden. Durch ihre Oberfläche, die spiegelt und blendet, entsteht räumliche Tiefe. Ein einzelnes dieser Herzen wäre eine emotionale Botschaft, in ihrer Fülle sind sie ein ästhetisches Mittel. Goran Tomcics Installationen voll goldener Hologramme, filigraner Perlenblüten und schwebender Pompoms bewegen sich zwischen der Ästhetik dieser überbordenden Glitzerwelt und den darin verborgenen emotionalen, sentimentalen und politischen Aussagen. Das Freie Museum Berlin zeigt seine Arbeiten unter dem Titel „Against my Heart“ ab dem 9. Januar erstmals im Rahmen einer Einzelausstellung in Berlin.
Ausstellung: 9. Januar - 29. Januar 2010
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Heads and Tales

Anstößig finden die einen, aufregend und sinnlich die anderen. Kunst aus dem Material Haut polarisiert, einigt jedoch in der Faszination, die davon ausgeht.
Schweinehaut, Fleisch und frische Schweineaugen verwendet Heide Hatry als Basismaterial für ihre Skulpturen. Daraus entstehen Frauenportraits, die mit einer jeweils individuellen und lebensnahen Geschichte zum Leben erweckt. Diese Geschichten, geschrieben von 27 weniger bekannten, aber auch berühmten Autorinnen, sind witzig, aufwühlend, traurig und unangenehm – sie spiegeln Erfahrungen alltäglicher Frauen wider.
Begleitet wurde die Ausstellung von einem Künstlergespräch und einer Lesung mit den Schauspielerinnen Linden Horvath, Niti Dhingra und Michele Lena.
Ausstellung: 20. November - 14. Dezember 2009
ERASING DARKNESS

Pol und Gegenpol bedingen einander und gehören jeweils untrennbar zusammen: Licht und Dunkelheit, Vergangenheit und Zukunft, Erscheinen und Verschwinden, Ernsthaftigkeit und Ironie, Hässlichkeit und Schönheit. Acht junge internationale Künstler stellen in ihrer Ausstellung „Erasing Darkness“ ihre jeweilige Interpretation des Themas vor.
Das Prozesshafte der Ausstellungskonzeption steht dabei im Vordergrund, die Betonung liegt auf dem Dialog der künstlerischen Arbeiten untereinander und dem Ort, an dem sie gezeigt werden.
Ausstellung: 20. November - 6. Dezember 2009
TRUESTORIES.TRUESUCCESS

Der Titel und gleichzeitig das Versprechen der Ausstellung spiegeln sich in allen gezeigten Arbeiten wider: truestories.truesuccess. Die ausgestellten Arbeiten treten dem Voyeurismus und Exhibitionismus der sozialen und digitalen Netzwerke freimütig und streng entgegen.
Auf der Ebene des Häuslichen, Historischen, Intimen, Kuratorischen, Urbanen, Virtuellen und Sozialen werden reale und fiktive Momente in unterschiedlichen Medien nachempfunden und neu erfasst. Die Performances und Fotografien sowie die Arbeiten in Form von Papier, Installation und Videokunst, stellen die Architektur von Momenten dar, die größtenteils auf persönlichen Erfahrungen gründen.
So bieten sich neue Einsichten in das Vakuum, das Schwindelgefühl und die Alliterationen des gegenwärtigen Lebens.
Künstlerinnen: Elena Bajo (Berlin/NYC), Teresa Maria Diaz Nerio (Amsterdam/Santa Domingo), Linda Franke (Berlin), Katya Gardea Browne (Berlin/Mexico City), Andrea Loux (Bern/Berlin), Yvette Mattern (Berlin/NYC), IngridMwangiRobertHutter (Ludwigshafen/Nairobi), Rachelle Mozman (NYC/Panama City), Raquel Paiewonsky (Santa Domingo), Martha Mabel Pérez (San Juan), Amy Stafford (Berlin/Seattle), Iris Schieferstein (Berlin) und Gabriela Vainsencher (NYC/Tel Aviv).
Kuratorin: Alanna Lockward
Ausstellung: 30. Oktober - 14. November 2009
AND THEN YOU REALLY GET INTO IT
Ausstellung der Candice Breitz' Meisterschüler Constantin Hartenstein, Clemens Wilhelm, Iris Musolf und Karin Then

Rauminstallationen aus Video, Fotografie und Performance, arrangiert als permanentes Playback von Geheimnissen, die sich in Umkleidekabinen, engen Gassen und hinter verschlossenen Türen verbergen, werden die Ausstellungsräume des FREIEN MUSEUMS in eine Fiktion verwandeln.
Aus realen Räumen, Umständen und Geschichten inszenieren Candice Breitz' Meisterschüler in der Fortsetzung der Ausstellung „First you put one foot in“ mediale Wirklichkeiten. Die KünstlerInnen Constantin Hartenstein, Iris Musolf, Karin Then und Clemens Wilhelm sind in den Übergang zwischen analoger und digitaler Welt hinein geboren, in die Zeit, in der die Geschichte eine Kehrtwendung machte, wie Jean Baudrillard Mitte der 90er Jahre postulierte.
Die Linearität analoger Medien ist außer Kraft gesetzt und man ist mitten im vor – und zurück, im hin – und her, im rauf – und runter per Scrol oder Klick in den einzelnen Bestandteilen dieses Umkehrprozesses angekommen. Inhalte und Zeit werden zu unzähligen kombinatorischen Möglichkeiten zerstückelt. Nicht nur das persönliche, auch das kollektive Denken und Erinnern hat sich damit als Zeitwahrnehmung verändert.
Aus vorgefundenen Kulturbausteinen und Bruchstücken der Medienindustrie kreieren die vier jungen Künstler collagenhaft eigene Positionen. Vertrautes wird durch die Veränderung und Manipulation der Bildsprachen in den gezeigten Arbeiten reinterpretiert und erzeugt so neue produktive Sinnzusammenhänge und Betrachtungsmöglichkeiten. Die Grenze von Leben und Kunst verschwimmt und der unklare Sinn unserer medial erzeugten Geschichte wird aufgedeckt – es gibt mehr zu entdecken, als das wir mit größter Bequemlichkeit in einer verschwommenen Zone leben.
Ausstellung: 30. Oktober - 14. November 2009

PREVIEW ERASED WALLS -
Contemporary Art in Central and Eastern Europe
"Erased Walls“. Das internationale Ausstellungsprojekt entstand zusammen mit Kuratoren und Biennale-Machern aus Russland, Tschechien, Slowakei und Polen und war eine künstlerische Bestandsaufnahme der heutigen Situation in den einzelnen Ländern. Begleitet wurde die Ausstellung durch ein kulturelles Rahmenprogramm, bestehend aus Performance-, Tanz- und Filmbeiträgen sowie einem internationalen Symposium zum Thema „Mittel- und Osteuropäischer Kulturraum“.
Der Eiserne Vorhang ist gefallen, die Mauern, die Europa teilten, sind verschwunden. Dennoch existieren heute andere, unsichtbare Trennungen und Mauern, die sich durch die Gesellschaften des sich vereinenden Europas ziehen. Die massiven sozialen, politischen und geopolitischen Umbrüche der vergangenen 20 Jahre werden in der Kunst dieser Länder auf einer kommunikativ ästhetischen Ebene erfahrbar.
„Erased Walls“ zeigt Beiträge aus Ost- und Mitteleuropa, die kulturelle Unterschiede ausloten, gleichzeitig eine Vielzahl vereinender Elemente herausstellen. Geprägt ist das Gesamtkonzept von individuellen sozialen, gesellschaftlichen, politischen, philosophischen und kulturellen Themen, die den Ausgangspunkt der gemeinsamen Diskussion bilden.
Ausstellung: 24. September - 22. Oktober 2009

ter Hell : die Show
Durch den medialisierten Moment zu neuer Ästhetik
Die Werkschau “ter Hell: die Show” konzentrierte sich auf das jüngere Schaffen des Künstlers ter Hell und war eine Inszenierung von Arbeiten der vergangenen zehn Jahre bis heute.
Die Ausstellung bewegte sich entlang struktureller konzeptioneller Knotenpunkte auf ter Hells Schaffensweg und imaginierte in elementarer, reduzierter und expansiver Weise die Notation einer großen Symphonie. Ein künstlerisch konstruierter DNS Strang, der gesellschaftliche Zusammenhänge fasst, wurde erfahrbar.
Im Zentrum standen die Schlüsselwerke "synthesische Vision” (2007), „Key Wall“ (2006) sowie das Schriftbild „Empowerment“ (2004) und das Panorama „Berlin Quartett“ von 1999 sowie die Installation „cerebral celebration“ von 2009. Zu seinen neuesten gezeigten Arbeiten gehörten die Bildergruppe „ter im gelben Kreis“, “Lógos” und “E-in-style“.
Ungegenständliche Malerei hat bei ter Hell Abstraktion im Zwischenraum von Farblogik, Systematisierung, Archaik-Jetzt-Zeit-Technik, Sprache, Zeichen und Schrift – Strukturen zum Gegenstand. In seiner Bildsprache formuliert er eine Sehnsucht nach Bewusstseinswandel von Auflösung hin zu energetischem Verständnis – so seine Verwendung von Zeichen und Symbolen.
Das Prinzip der Inversion in präziser werdende geistige Räume ist treibende Methode. Dieser Arbeitsansatz mündet in der theoretischen Analyse und geht über in ein Selbstverständnis mit politischer und persönlicher Standortbestimmung im globalisierten Wirtschaftssystem in dem sich kulturell und wissenschaftlich eine Entwicklung vollzogen hat, z.B. vom Röntgenbild zum bildgebenden Verfahren.
ter Hells Kunst ist ein Beispiel dafür, wie ein Werk parallel zum Kunstbetrieb wächst: 1992 beginnt er, auf der Suche nach lebensnaher Arbeit einen geistig virtuellen Bildraum als gedanklicher Torus Attraktor zu entwerfen, geprägt von dem Versuch einer Wertebestimmung, der Suche nach Form und Ethik. Seiner Arbeitsthese “der Widerspruch in sich führt progressiv gedacht zu offener Struktur” folgend, verlässt er den virtuellen Bildraum und definiert: “Geburt und Tod als Struktur - Leben und Sterben ist Kultur”.
Die Ausstellung zeigte ein strukturelles Farbnetz mit klarer Ordnung auf drei Etagen, das ein Bewusstsein von kreativer Potenz als Allpräsenspermanenz in sich trägt. Trotz gewichtigen Inhalts erschien die Präsentation leicht, locker und lebendig.
Ausstellung: 29. August – 20. September 2009

Malerei - Jacek Sztuka
Das Freie Museum Berlin begann mit der Ausstellung “Malerei – Jacek Sztuka” eine Reihe mit Einzelpositionen junger internationaler Künstler, unter dem Titel "Ermergency".
Künstlerinformationen zu Jacek Sztuka
Ein Hühnchen auf der Kühlerhaube eines Trucks, auf einem Haufen aus grau-rostigem Altmetall, aufgehängt an Seilen, Schnüren und Kabeln, ähnlich verzweigt wie ein Netzwerk aus Sehnen und Adern.
Es ist ein lebloses aber nicht funktionsloses Fragment. Es ist noch immer brauchbar, zum konsumieren freigegeben. Alles scheint sehr einfach, es kommt nichts raus bei solch einem Restpostenlager, ausgenommen vielleicht ein paar Zlotys fürs Alteeisen.
Und trotzdem, was rätselhaft in diesen Bildern bleibt, ist das Licht. Durch das Intervenieren des Künstlers findet sich keinerlei barocke Spannung in ihnen. Es lastet ihnen eher eine Art Perversion oder Verdorbenheit an.
Denn diese Bilder sind warm, nicht abscheulich. Das Fleisch ist weder blutgetränkt noch ist es bevölkert von Fliegen und Maden. Und doch ist Jacek Sztuka ein Realist. Sein Humor ist merkwürdig, teilweise schon morbide. Aber vielleicht ist das auch gar kein Humor. Denn die Welt in diesen ungewöhnlichen Bildern ist sehr real.
Jacek Sztuka is ein junger Maler und er ist stur, wenn es darum geht die Welt seiner Erfahrungen in seinen Bildern darzustellen. Die real-unreale Welt die Sztuka mit seinen Bildern erschafft ist unzweifelhaft ein starkes künstlerisches Statement.
Ausstellungsdauer: 25. Juli – 8. August 2009

Die neuen schönsten Franzosen sind im Berlin
Die Ausstellung zeigte die Arbeiten sechs junger Franzosen, die Berlin als ihre neue Heimat erklärt haben. Eine gemeinsame Ausstellung in Berlin zu zeigen, war für sie eine natürliche aus gemeinsamer Sympatie geborene Entscheidung. Sie alle sind sich erst in Berlin begegnet, sind zwischen 25 und 33 Jahren jung und arbeiten mit den traditionellen Techniken – von Malerei, Zeichnung und Radierung.
Die Malerei, so empfinden es diese jungen Künstler, ist in ihrer Heimat ein kunstgeschichtliches Kulturgut und so bleibt ihre Generation in der zeitgenössischen, gegenwärtigen in Frankreich produzierten Kunst weitestgehend unbeachtet. Ihre Motive sind generationsbezogene, zeitgenössische Bilderwelten aus Werbung, Filmen, Internet und Magazinen.
Diese Arbeiten zeigten sie, begleitet von einer Serie Fotoarbeiten der deutschen Fotografin Irene Ip, in den noch unfertigen Ausstellungsräumen ganz im Sinne des Salon des Refués, in einer spontan einstandenen Ausstellung für die sie in ihrer Heimat keinen gemeinsam offiziellen Ausstellungort finden konnten.
Ausstellungsdauer: 17. Juli - 25. August 2009